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ETF-Sparpläne: Geldanlage in der Krise

Macht uns Corona alle ärmer? Nicht unbedingt. Wer seine Ersparnisse jetzt geschickt anlegt, kann zumindest das Schlimmste verhindern

© Ibrahim Rifath

So viele Arbeitnehmer haben noch selten auf Staatskosten gelebt wie in der gegenwärtigen Krise. Sei es, dass sie dank der neuen Kurzarbeitergeldregelungen ihren Arbeitsplatz behalten. Sei es, dass sie als Solo-Selbstständige und Kleinunternehmer von den Soforthilfen des Bundes und der Länder überleben können.

Doch woher kommt das Geld? Der Bundestag hat Ende März mit 156 Milliarden Euro eine bislang beispiellose Neuverschuldung beschlossen. Gleichzeitig erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten, dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 4,2 Prozent schrumpfen wird.

Sparer und Anleger: Die Konsequenzen der Krise

Unter dem Strich bedeutet das: mehr Geld auf der einen Seite und weniger neu produzierte Waren und Dienstleistungen auf der anderen. Welche Konsequenzen hat das für Sparer und Anleger? »Wenn der Staat mehr Schulden macht, hat das zunächst zur Folge, dass die Zinsen anziehen«, erklärt Markus Demary vom Institut der Deutschen Wirtschaft. »Da die Europäische Zentralbank aber gleichzeitig mehr Anleihen aufkaufen will, um die Wirtschaft mit Geld zu versorgen, dürften die Zinsen nur moderat steigen.«

Inflation?

Wer jetzt wieder auf ordentlich verzinste Tages- oder Festgeldkonten hofft, sollte allerdings vorsichtig sein. Wenn es gelingt, schnell einen Impfstoff gegen das Virus und wirksame Medikamente gegen die Erkrankung zu entwickeln, könnte die Wirtschaft schnell wieder anziehen. Die Folge wären steigende Preise und damit eine hohe Inflationsrate. Ist diese höher als die nominale Verzinsung, kommt es bei Sparguthaben zu einem realen Vermögensverlust.

Deflation?

»Rutschen wir dagegen in eine Rezession, müssen wir mit einer Deflation d.h. mit fallenden Preisen rechnen«, prophezeit Demary. Allein die Tatsache, dass viele Arbeitnehmer jetzt Kurzarbeitergeld erhalten, führt zu einer Verringerung der Kaufkraft. Dadurch dürfte die Nachfrage zurückgehen. Die Folgen wären stagnierende oder fallende Aktienmärkte.

ETF: Vermögensaufbau in der Krise

Für das kommende Jahr gehen die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten von einem Wachstum von 5,8 Prozent aus. Wer dieser Einschätzung folgt, sollte die Gunst der Stunde und damit die aktuell niedrigen Aktienkurse nutzen und sein Geld breit gestreut anlegen. Das geht am besten mit einem kostengünstigen Indexfonds (ETF), der weltweit investiert. Das hört sich im ersten Augenblick etwas langweilig an, ist es aber nicht. Denn es gibt verschiedene Möglichkeiten, wenn man weltweit in Aktien investieren will.

MSCI World

Die einfachste Variante ist ein ETF auf den MSCI World. Zu den ETFs, die diesen internationalen Aktienindex mit etwa 1600 Aktien abbilden, gehört unter anderem der iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN A0RPWH). Der große Vorteil sind die vergleichsweise niedrigen Kosten mit jährlich 0,2 Prozent. Bei diesem Fonds werden Unternehmensgewinne nicht ausgeschüttet, sondern in Form von Fondsanteilen gutgeschrieben. Für Anleger, die auf laufende Ausschüttungen nicht verzichten wollen, gibt es den Fonds auch als ausschüttende Variante. Seine aktuelle Ausschüttungsrendite wird mit 1,02 Prozent ausgewiesen.

Profitable Unternehmen

Wer nicht nur irgendwelche internationalen Aktien im Depot haben will, sondern auf Unternehmen setzt, die als besonders profitabel und gleichzeitig niedrig verschuldet gelten, kann auch mit einem ETF auf den Erfolgsfaktor Qualität setzen. Dazu gehört der iShares Edge MSCI World Quality Factor UCITS ETF (WKN A12ATE). Qualität hat hier jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ihren Preis. Der ETF hat eine jährliche Gesamtkostenbelastung von 0,3 Prozent und ist damit teurer als der iShares Core MSCI World UCITS ETF.

Unterbewertete Unternehmen

Alternativ zu wirtschaftlich profitablen Unternehmen setzen viele Anleger, wie zum Beispiel Starinvestor Warren Buffett, gern auch auf unterbewertete Unternehmen. ETFs, die diese Investmentphilosophie verfolgen, sind vor allem auf Unternehmen fokussiert, die sowohl ein niedriges Kurs-Buchwert- als auch ein günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis haben. Oftmals ist der Unternehmenswert im Verhältnis zum Cashflow niedrig. Dazu gehört der Xtrackers MSCI World Value Factor UCITS ETF 1C (WKN A1103E). Er bildet die Wertentwicklung des DB Equity Value Factor Index ab. Dieser Index umfasst vor allem Aktien von großen und mittleren Unternehmen aus 31 Industrieländern. Die Gesamtkostenquote des ETF liegt bei 0,25 Prozent pro Jahr.

Wann sollte man kaufen?

Egal, ob Sie sich für die klassische Variante entscheiden oder auf Börsenguru Warren Buffett mit seiner Value-Strategie vertrauen, Sie müssen immer entscheiden, ob das der richtige Moment ist, um zuzugreifen. Da selbst Börsenprofis die Frage nach dem richtigen Timing nicht befriedigend beantworten können, sollten Sie Ihre Käufe auch zeitlich streuen. Das funktioniert am besten mit einem ETF-Sparplan. Auf diese Weise kaufen Sie regelmäßig für einen festen Betrag – zum Beispiel monatlich 100 Euro – Anteile an einem ETF. Mit einem Sparplan verhalten Sie sich automatisch wirtschaftlich klug. Sind die Anteile an dem ETF teuer, weil die Börse brummt, kaufen Sie mit Ihrer festen Sparrate weniger Anteile. Ist der Anteilspreis niedrig, weil die Börse schwächelt, schlagen Sie gezwungenermaßen zu und kaufen mehr Anteile.

Alternative zum Festgeld

Eine der wichtigsten Lehren der Bankenkrise 2008/2009 war: Cash ist King. Denn wer damals an sein Geld wollte, musste Wertpapiere teilweise mit hohen Preisabschlägen verkaufen. Doch Liquidität ist teuer. Die besten Angebote für Tagesgeld kommen derzeit von der niederländischen LeasePlan Bank und der französischen Renault Bank direkt, die beide 0,45 Prozent Zinsen zahlen. Rechnet man die aktuelle Inflationsrate von 1,7 Prozent gegen diesen Nominalzinssatz, bedeutet das einen Verlust von real 1,25 Prozent.

Als eine Alternative zum Festgeld bietet sich ein ETF an, der in Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten investiert. Kurze Restlaufzeiten deshalb, weil diese Zinspapiere kaum auf Zinsänderungen reagieren, sodass das Risiko von Verlusten bei steigenden Zinsen überschaubar bleibt. Der Invesco US Treasury Bond 1-3 Year UCITS ETF (WKN A2N7D1) investiert in US-Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von ein bis drei Jahren. Der Fonds erzielte – und hier wird der Unterschied zum Tagesgeldkonto deutlich – in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von 7,14 Prozent.

Wer das Zinsänderungsrisiko noch niedriger halten will, kann einen ETF kaufen, der in Anleihen mit extrem kurzen Restlaufzeiten investiert. Der iShares USD Treasury Bond 0-1yr UCITS USD (WKN A2PBNQ) hat US-Staatsanleihen mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 0,37 Jahren im Portfolio. Das Risiko, einen Verlust zu erleiden, weil die Zinsen steigen, ist gering. »Fällt der Markt, dürfte der Kurs sinken«, erklärt David Wenicker von BlackRock. »Restlaufzeit und Duration des Fonds liegen bei 0,33 Jahren (Stand 20. April ). Das bedeutet: Steigt der Marktzins um einen Prozentpunkt, fällt der Wert der Anleihen im ETF um durchschnittlich 0,32 Prozent.«

Anleger haben hier jedoch ein Währungsrisiko. Bei diesem ETF kann die Gesamtrendite steigen, wenn der Dollar gegenüber dem Euro an Wert gewinnt, oder sich verringern, wenn der Dollar im Vergleich zum Euro schwächer wird. Wenicker: »Aktuell spricht einiges dafür, dass der Dollar nach einem längeren Kursanstieg bald wieder schwächer wird.«

Die Gesamtrendite, also Ausschüttungen plus Wertentwicklung, wird für den Zeitraum vom 31. März 2019 bis 31. März 2020 mit 2,65 Prozent ausgewiesen.

Gold

Gold war historisch gesehen ein Vorläufer unseres heutigen Papier- und Giralgelds. Gerade in Krisenzeiten – wenn das Vertrauen in die nationalen Währungen verloren ging – konnte man mit Gold bezahlen. Das haben viele Anleger verstanden.

Die Feinunze Gold kostet 1726 US-Dollar (Stand 14. April). Da der Aufwand für die Lagerung hoch ist, kauft man das gelbe Metall am besten mit sogenannten ETCs (Exchange Traded Commodities).

Dabei handelt es sich um Zertifikate, die dem Besitzer einen Anteil an einem Golddepot verbriefen. Besonders beliebt sind der Xetra-Gold (WKN A0S9GB) und der Euwax Gold II (WKN EWG2LD). Beide sind steuerlich physischem Gold gleichgestellt. Verkauft der Anleger seine Zertifikate frühestens nach einem Jahr, fällt auf dabei erzielte Gewinne keine Steuer an.

Für Sparer: Das sollten Sie wissen

Cost-Average-Effekt

Dieser Durchschnittskosteneffekt führt nur dann zu Gewinnen, wenn der Markt insgesamt eine leicht steigende Tendenz hat. In fallenden Märkten reduziert er jedoch immerhin die Verluste.

Beispiel

Sie kaufen Anfang Mai für 1000 Euro vier Anteile an einem ETF für jeweils 250 Euro. Anfang August kostet ein Anteil 260 Euro. Der Wert ihrer vier Fondsanteile ist damit auf 1040 Euro gestiegen. Doch statt im Mai 1000 Euro auf einen Schlag anzulegen, hätten Sie auch bis August jeden Monat für 250 Euro Anteile kaufen können. Nehmen wir an, dass der Anteilspreis im Juni auf 220 Euro absackt. Für Ihre 250 Euro bekommen Sie dadurch 1,14 Anteile. Im Juli zieht der Anteilspreis wieder leicht an und beträgt 230 Euro. Für Ihre 250 Euro erhalten Sie 1,09 Anteile gutgeschrieben. Im August beträgt der Anteilspreis dann wie gesagt 260 Euro. Für Ihre 250 Euro gibt es 0,96 Anteile. Auf diese Weise hätten Sie für Ihre 1000 Euro über die vier Monate verteilt 4,19 Anteile erworben. Bei einem Preis von 260 Euro pro Anteil im August wäre Ihr Vermögen auf 1089,40 Euro angewachsen.

Kosten

Die meisten Banken berechnen auf eine Sparrate für einen ETF eine Transaktionsgebühr von 1,5 Prozent. Die günstigsten Angebote für Sparpläne finden Sie auf justETF.

Sechs Alternativen zum Festgeldkonto

 

WKN A0RPWH

iShares Core MSCI World UCITS ETF

WKN A12ATE

iShares Edge MSCI World Quality Factor UCITS ETF

WKN A1103E

Xtrackers MSCI World Value Factor UCITS ETF 1C

WKN A2N7D1 Invesco US Treasury Bond 1-3 Year UCITS ETF

WKN A2PBNQ iShares USD Treasury Bond 0-1yr UCITS ETF USD (Dist)

WKN EWG2LD Euwax Gold II (Börse Stuttgart)

Anlageschwerpunkt Der Fonds bildet den Aktienindex MSCI World nach und umfasst mehr als 1600 Aktien Internationale Aktien mit starken und stabilen Gewinnen (MSCI World Sector Neutral Quality Index) Aktien mir niedrigem KGV und KBV (MSCI World Enhanced Value [USD] Index) US-Staatsanleihen mit bis zu drei Jahren Restlaufzeit (Bloomberg Barclays US Treasury 1-3 Year Index) Der Fonds bildet den IDC US Treasury Short Term Index nach und investiert in US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr Physisches Gold
Fondswährung US-Dollar US-Dollar US-Dollar US-Dollar US-Dollar Euro
Replikationsmethode Physisch, optimierte Nachbildung Physisch, optimierte Nachbildung Physisch, optimierte Nachbildung Physisch, optimierte Nachbildung Physisch, optimierte Nachbildung Das Zertifikat ist zu 100 Prozent mit physischem Gold unterlegt. Der Preis eines Zertifikats bezieht sich auf einen 100-Gramm-Goldbarren (Feinheit 999). Anleger können sich ihren Anteil an dem hinterlegten Gold ausliefern lassen. Die Auslieferung in Form von Kleinbarren ist bei 100 Gramm Gold oder einem Vielfachen innerhalb Deutschlands kostenfrei
Sparplan Ja, ab monatlich 25 Euro Ja, ab monatlich 25 Euro        
Sparplan möglich     Ja, ab monatlich 25 Euro Ja, ab monatlich 50 Euro Ja, ab monatlich 25 Euro Ja, ab 25 Euro
Gesamtkostenquote (TER) 0,2 Prozent p. a.

0,3 Prozent p. a.

0,25 Prozent p. a. 0,06 Prozent p. a. 0,07 Prozent p. a. 0,3 Prozent p. a.
Gewinnverwendung Thesaurierend Thesaurierend Thesaurierend Ausschüttend Ausschüttend Keine Ausschüttungen
Kurs-Gewinn-Verhältnis 15,76 18,10 16,34      
Kurs-Buchwert-Verhältnis 1,99 3,71 K. A.      
Größte Einzelwerte Microsoft (3,29%), Apple (3,20%), Amazon (3,26%) Microsoft (3,71%), Apple (3,32%), Johnson & Johnson (2,84%) Intel (4,41%), AT&T (3,43%), IBM (2,11%) US Treasury Notes 2018 (23), 2,375% Kupon, (31.1.23); US Treasury Notes 2012 (22), 1,625% Kupon, (15.11. 22); US Treasury Notes 2019 (21), 1,75% Kupon (31.7.21) US Treasury Notes 2018 (20), 2,375% Kupon, (30.4.20); US Treasury Bill (Cash/Derivate); US Treasury Notes 2018 (20), 2,50% Kupon, (31.12.20)  
Fazit Das Aktienportfolio, das der Anleger mit diesem ETF kauft, ist relativ preiswert Gemessen am KGV und am KBV ist das Aktienportfolio deutlich teurer Selbst hier ist das Aktienportfolio etwas teurer als beim Core MSCI World ETF Liquide mit 8,64% Rendite Liquide mit 5,75% Rendite