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Fahrrad: Neun Tipps und Tricks zur Inspektion

Gerade jetzt gibt es kaum einen Termin in der Werkstatt. Guter Rat zeigt, wie Sie Durchsicht, Pflege und Wartung Ihres Fahrrads selbst in die Hand nehmen können.

© Egor Myznik

Die ersten Knospen kündigen den Frühling an. Endlich Zeit, sich wieder auf den Drahtesel zu schwingen. Doch vorm Start in die Saison ist eine Inspektion des Fahrrads unverzichtbar. Guter Rat hat mit Rad-Experte Thomas Geisler vom pressedienst-fahrrad (pd-f) darüber gesprochen, wie man die Durchsicht, Pflege und Wartung am besten selbst in die Hand nimmt. Er nennt neun Schritte, um ans Ziel zu kommen, und rät, nicht bis auf den letzten Drücker zu warten, damit noch Zeit bleibt, eventuell nötige Ersatzteile zu beschaffen.

1. Fahrrad putzen

An einem sauberen Rad lässt sich besser erkennen, ob etwas kaputt ist. Grobe Verschmutzungen entfernt man einfach mit Handfeger oder Bürste, an schwer zugänglichen Stellen helfen eine alte Zahnbürste und Zahnstocher. Anschließend wird das Rad mit lauwarmem Wasser und einem strapazierfähigen Lappen gründlich gereinigt und danach mit einem saugfähigen Tuch trocken gerieben.

Tabu: Hochdruckreiniger können Schmutz und Feuchtigkeit in die Lager pressen und diese so beschädigen.

2. Reifen prüfen

Selbst wenn der Reifen über Winter keine Luft verloren hat, ist es wichtig, ringsum zu prüfen, ob das Material brüchig geworden ist und ob er sich Glasscherben, Reißzwecken oder Ähnliches eingefahren hat.

Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zum Marathon Plus von Schwalbe. Der hat eine alterungsbeständige Seitenwand, die auch Schäden durch das Fahren mit zu geringem Reifendruck vorbeugt.

3. Reifen aufpumpen

Mit dem richtigen Reifendruck rollt es sich leichter und sicherer. Die zulässigen Werte sind in Bar oder PSI auf der Reifenflanke angegeben. Ein Manometer kostet nicht die Welt und prüft den Reifendruck zuverlässiger als der gängige Druck mit dem Daumen.

Tipp: Die bequeme Fußpumpe Airstep Digi von SKS bringt das Manometer gleich mit.

4. Kette reinigen und schmieren

Zuerst sollte die Kette auf Verschleiß überprüft werden. Dazu legt man eine sogenannte Verschleißlehre auf. Fällt diese zwischen die einzelnen Glieder, ist die Kette verschlissen und sollte getauscht werden. Zur Reinigung lässt man die Kette einfach durch einen trockenen Lappen laufen. Reicht das nicht aus, hilft eine Kettenbürste mit Nylonborsten. Die saubere Kette wird sparsam neu geschmiert und nach dem Einwirken noch einmal abgewischt, denn überschüssiges Öl zieht unnötig Schmutz an.

Tipp: Das Schmiermittel Oil of Rohloff ist biologisch abbaubar.

5. Bremsen kontrollieren

Kommt es bei mechanischen Felgenbremsen zu Kratzgeräuschen, muss der Bremsbelag kontrolliert werden. Die Kerben im Belag zeigen, ob noch Reserven vorhanden sind. Falls nicht, müssen die Bremsklötze getauscht werden. Materialkosten etwa zwei bis acht Euro. Laufen die Bremszüge schwer, hilft ein Tropfen Öl am Ende der Zughülle und an den Gelenken der Bremsgriffe.

Bei Scheibenbremsen sollte der Bremsbelag mindestens einen Millimeter dick sein. Bei regelmäßiger Reinigung mit warmem Wasser und einem Schwamm halten sie lange durch. Ein Austausch ist nicht ganz so einfach wie bei der Felgenbremse. Zudem können hydraulische Bremssysteme Luft ziehen und sollten besser regelmäßig von der Werkstatt gewartet werden.

Tabu: Es darf kein Öl auf die Bremsbeläge, Scheiben oder Felgen gelangen.

6. Felgen checken

Einerseits kann eine beschädigte Felge die Bremswirkung von Felgenbremsen beeinträchtigen, andererseits wird die Alufelge durch Abrieb beim Bremsen immer dünner. Deshalb muss geprüft werden, ob die Felge noch »rundläuft«. Kleine Schläge lassen sich selbst ausbessern, eine große »Acht« sollte man dem Fachmann überlassen. Auch ob die Speichen noch alle fest sind und unter Spannung stehen, muss überprüft werden.

Tipp: Treffen eine zu hohe Speichenspannung und Materialermüdung der Felge zusammen, bilden sich Haarrisse am Ansatzpunkt der Speiche. Diese kann im schlimmsten Fall ausbrechen.

7. Schraubverbindungen prüfen

Ein kurzes Anheben und Fallenlassen des Rades verrät geräuschvoll lockere Verbindungen. Wenn’s klappert, sollten alle Schrauben an Bauteilen wie Vorbau, Lenker, Kurbeln und Kettenblättern auf ihren festen Sitz hin überprüft werden. Doch Vorsicht: Nach fest kommt ab!

Tipp: Mit einem Multitool wie dem ATD-1.2 von Park Tool lassen sich lose Schrauben leicht wieder festziehen. Es hat ein verstellbares Drehmoment von vier bis sechs Newtonmeter.

8. Licht einstellen

Ein richtig eingestellter Scheinwerfer erhöht die Verkehrssicherheit. Er darf andere nicht blenden. Der hellste Teil des Lichtkegels sollte etwa zehn Meter vor dem Rad auf den Boden treffen. Leuchten weder Vorder- noch Rücklicht müssen alle Kabel auf Brüche und alle Kontakte überprüft werden.

Tipp: Lose herumbaumelnde Kabel können leicht hängen bleiben und abreißen. Besser, man fixiert sie mit Kabelbindern. Das beugt auch einem Abrieb der Isolierung vor.

9. Rahmen polieren

Zum Ende des Checks verleiht eine Schutzpolitur den Oberflächen des Fahrrads neuen Glanz. Um Gummi- und Kunststoffteile geschmeidig zu halten, kommt ein Silikonspray zum Einsatz.

Tipp: Schutzpolitur Miracle Shine von Muc-Off lässt sich auf Carbon, Chrom, Metall und Kunststoff anwenden und füllt auch Kratzer auf. Alternative: Silikonspray Silicone Guard von M-Wave.