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Pflegeversicherung: Private Vorsorge fürs Alter

In unserer alternden Gesellschaft brauchen immer mehr Menschen Unterstützung. Private Vorsorge für den Pflegefall wird wichtiger denn je.

© Micheile Henderson

Schon heute leiden mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz. Die Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. (DAlzG) rechnet damit, dass sich diese Zahl auf etwa 2,8 Millionen im Jahr 2050 erhöhen wird. Insgesamt wird es 2055 6,78 Millionen Pflegebedürftige geben – und immer weniger Pflegende: Die Gesellschaft wird immer älter, wir leben immer länger. Bis zum Schluss gesund bleiben die wenigsten.

Wer wegen einer Demenzerkrankung stationär gepflegt werden muss, findet schon heute schwer einen Pflegeplatz. Denn nicht alle Einrichtungen nehmen aufgrund des deutlich höheren Pflege- und Personalbedarfs Demenzerkrankte auf. »Andere lassen sich den Mehraufwand bezahlen, verlangen über den bestehenden Eigenanteil hinaus zwischen 300 und 600 Euro mehr pro Monat«, sagt Versicherungsexperte Bert Heidekamp.

Staatlichen Pflegeversicherung: Breites Angebot mit vielen Leistungen

Immerhin: Auch die Leistungen der staatlichen Pflegeversicherung sind mittlerweile breit gefächert. Sie reichen von Unterstützung im Haushalt über Betreuungsangebote, Hilfe bei der Körperpflege, Vertretung bei Urlaub der Pflegeperson bis hin zu Leistungen für die Versorgung in einer Demenz-WG oder im Pflegeheim. Dabei können verschiedene Leistungen flexibel je nach Bedarf verwendet werden.

Doch wer erklärt die Ansprüche, wer berät in belastenden Situationen? Menschen, die bereits an Demenz erkrankt sind, erkrankte Familienmitglieder haben oder sich lediglich rechtzeitig informieren wollen, können Hilfe über die Initiative Demenz Partner von der DAlzG erhalten. Sie bietet betroffenen Angehörigen beispielsweise regelmäßig kostenfreie Schulungen an, um mit der Krankheit in der Familie besser umgehen zu können. Die Seriosität des Angebots ist gegeben: Die DAlzG wird unter anderem vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt. Die DAlzG informiert online und in Broschüren. Infos und Bestellmöglichkeiten unter deutsche-alzheimer.de.

Zusatzversicherung bei Demenzerkranungen empfohlen

Doch die staatlichen Leistungen sind begrenzt. Sie erfordern viel Einsatz der Familie, sei es körperlich und psychisch, weil selbst gepflegt wird. Sei es finanziell, weil viele Leistungen selbst getragen werden müssen. An dieser Stelle greifen die verschiedenen Bausteine der privaten Pflegeversicherungen.

Wer ausschließlich eine zusätzliche Absicherung für den Fall einer Demenzerkrankung wünscht, kann dieses Risiko bis zum 75. Lebensjahr versichern. In diesem Fall wird das vereinbarte Tagegeld nur im Fall der Demenz und bis zu einer Höhe von maximal 600 Euro pro Monat gezahlt. Diese Summe reicht, um ebenjene bereits erwähnten höheren Heimkosten zu finanzieren. Das entlastet pflegende Familien finanziell und psychisch. »Die einzige Versicherung, die hier im Vergleich punkten konnte, ist der Münchener Verein«, so Bert Heidekamp.

Übrigens: Wer demenzerkrankt ist, ist – je nach Schweregrad – nicht mehr geschäfts- und deliktfähig. Verursacht die Person einen Schaden, egal ob Sach-, Personen- oder Vermögensschaden, sollte sie sich auf ihre Privathaftpflichtversicherung verlassen können. Doch hier lauern Fallstricke. Denn viele alte Tarife bieten keinen Schutz bei Deliktunfähigkeit, gestehen die höchstens Kindern zu. Heidekamp empfiehlt betroffenen Familien daher, dringend die Privathaftpflicht zu überprüfen.

Wer sich dagegen vollumfassend gegen den Fall der Pflegebedürftigkeit absichern möchte, hat verschiedene weitere Möglichkeiten. So kann man entweder über eine Pflegetagegeldversicherung oder über eine Pflegerentenversicherung Vorsorge zu treffen.

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Vorteil: Wird der Versicherte ab Vertrags-beginn pflegebedürftig, besteht lebenslanger Versicherungsschutz. Liegt keine Pflegebedürftigkeit vor, kann der Versicherte bis zum 80. Lebensjahr den Vertrag wieder kündigen.   nach 10 Jahren

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Beispielrechnung: 129.151,55 € Einmalbeitrag, Mann 50 Jahre, 100 % Todesfall vor Pflegefall, Dynamik im Leistungsfall 3 % pro Jahr, Rentengarantiezeit 12 Monate, Rückkaufswerte z. B. nach 10 Jahren (mit Dynamik 10 % alle 3 Jahre) gesamt 148.855,56 € (davon garantiert 101.541 €), 23.076,96 € Sofortleistung im Pflegefall ab PG 4.Todesfallsumme vor Pflegefall: 0 %–100 % frei wählbar, bis maximal 85. Lebensjahr. Auszahlungen/Teilauszahlungen, solange noch kein Pflegefall vorliegt: Entnahmen sind bis zum 75. Lebensjahr und bis zu 75 % des Einmal­beitrags möglich (frühestens 12 Monate nach Vertragsschluss), bei Aufrechterhaltung des vollständigen Versicherungsschutzes (Ausgleich dann durch Monatsbeiträge). (Alle weiteren Anbieter liegen bei einer Erfüllungsquote von unter 50 %.)

Entlastung der Angehörigen wird gewährleistet

Durch deren finanzielle Leistungen wird nicht nur die Qualität der eigenen Pflege gesichert, sondern auch eine physische, psychische und finanzielle Entlastung der Angehörigen gewährleistet. Ist mehr Geld da, können beispielsweise pflegende Angehörige Urlaub nehmen oder sich durch Pflegekräfte Auszeiten ermöglichen.

Es gibt kein bestimmtes Alter, ab wann eine Pflegevorsorge getroffen werden sollte, es ist jedoch bereits ab Geburt sehr sinnvoll. Wer früh anfängt, baut Altersrückstellungen auf, was zu stabileren und günstigeren Prämien im Alter führt. Außerdem ist man in jüngeren Jahren in der Regel deutlich einfacher versicherbar. Wer sich nicht vollumfänglich versichern kann, sollte einen sogenannten Startertarif nutzen. Eine Pflegekostenversicherung dagegen ist weniger interessant, weil die wichtige Laienpflege darin nicht versichert ist und nur Rechnungen anerkannter Pflegedienste übernommen werden.

Prämien für die einzelnen Verträge richten sich nach der gewünschten Leistungshöhe, dem Alter der zu versichernden Person bei Vertragsbeginn und Risikozuschlägen, zum Beispiel aufgrund von Vorerkrankungen. Diese können dazu führen, dass Versicherungsunternehmen die Annahme von Vertragsanträgen ablehnen. Über Versicherungsexperten kann vorab anonym geprüft werden, ob und bei welcher Gesellschaft Verträge mit unterschiedlichen Vorerkrankungen möglich sind.

Pflegetagegeldversicherung: Versicherungen helfen je nach Pflegegrad

Die üblichste Form der Absicherung ist die Pflegetagegeldversicherung. Im Leistungsfall wird hier je nach Pflegegrad ein vereinbarter Betrag ausbezahlt, unabhängig davon, durch wen gepflegt wird. Allerdings steigen die Prämien durch Dynamik und Beitragsanpassungen. Nur wenige Versicherer bieten im Leistungsfall schon ab Pflegegrad (PG) 2 eine Beitragsfreiheit an. Die Bedingungen sind sehr unterschiedlich, sodass nur eine bestimmte Auswahl an Tarifen zu empfehlen ist. Die finden Sie in der Tabelle ganz unten links. Dennoch kann es zu einer Tarifempfehlung kommen, die nicht in der Tabelle zu finden ist. Das ist laut Heidekamp dann der Fall, wenn aufgrund von Vorerkrankungen nur bestimmte Tarife zur Auswahl stehen. Einen ersten Prämienüberblick kann man selbst online erstellen unter pflege-tarif.de.

Über welche Höhe und in welchem Umfang eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen wird, hängt vom persönlichen Bedarf ab. Heidekamp geht in seinen Beratungen auf die individuelle Situation der Versicherungsnehmer ein, hat eine eigene Bedarfsanalyse erstellt, welche die Erwerbs- wie die Rentenzeit der betreffenden Personen betrachtet. Ohne solche Überlegungen vorab sollte keine private Pflegevorsorge abgeschlossen werden.

So sollten denn nicht nur alltägliche Haushaltsausgaben eine Rolle spielen, sondern auch ob beispielsweise der Partner sich die Wohnung noch leisten kann, wenn die pflegebedürftige Person stationär betreut werden muss und die Kosten dafür übernommen werden müssen.

Junge Menschen sollten sich die Frage stellen, in welcher Höhe eine Pflegevorsorge abgeschlossen werden muss, wenn andere Ansprüche, zum Beispiel aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder betrieblichen Leistungen, bestehen. Auch die inflationäre Entwicklung sollte berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich die Frage, wie hoch Pflegekosten im Alter sein können und welches Einkommen demgegenüber zur Verfügung steht.

Top-Pflegetagegeld: Tarife mit besten Bedingungen

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Münchener Verein Deutsche PrivatPflege – Premium (Stand 11.2022), inkl. B, NV0 und EZ, Altersrückstellung ab Geburt 69 % 1 x PG 2 bis 10.000 € ab PG 2 ja bedingt ja Meldepflicht besteht nur bei richterlicher Anordnung Testsieger BesteLeistung
Nürnberger Premium, PAS inkl. PASS (Stand 11.2022) 66 % 2 x PG 5 100-faches PTG ab PG 2 bedingt ja ja ja Top-Tarif
Württembergische, PZ, PZEL, PZA, PZAS (Stand 1.2022) 64 % 2 x PG 4 bis 10.000 € ab PG 2 ja ja ja ja Top-Tarif
Allianz PflegetagegeldBest mit amb. Erhöhung und EZ, PZTB03, PZTA03, PZTE03 (Stand 1.2022) 64 % 2 x PG 5 bis 15.000 € ab PG 2 ja bedingt ja ja Top-Tarif
INTER QualiCare QC 1 und 2, und QC-E (Stand 6.2022)* 64 % 2 x PG 5 bis 25.000 € ab PG 2 ja bedingt ja ja Top-Tarif
R+V PM/PM1M Premium inkl. PE (Stand 7.2019) 61 % 2 x PG 4 bis 12.000 € ab PG 2 bedingt bedingt bedingt ja Top-Tarif
Concordia PG mit PG PLUS (Stand 1.2022) 60 % 1 x PG 2 50-faches PTG ab PG 2 ja ja ja ja Top-Tarif
Barmenia Mehr Pflege mit PflegeSofort (Stand 10.2022) 60 % immer PG 4 5-faches Monatsgeld ab PG 4 bedingt bedingt ja ja Top-Tarif

Bewertungsgrundlagen: Bewertet wurden 50 Schwerpunktfragen (von 172) mit über 250 Qualitätsmerkmalen. Tabelle enthält die Tarife mit mind. 4 Sternen oder mit mind. 60 % Erfüllungsgrad (gerundet). Bewertet wurden 53 Tarifkombinationen. Tarife enthalten keine Wartezeiten, Pflege-Bahr-Tarife wurden nicht berücksichtigt. *Eingeschränkter Versicherungsschutz bis 21. Lebensjahr für Neuverträge seit 6.2022. Die Tarife haben unterschiedliche Risiko- und Annahmeprüfungen. Je nach Schwerpunkt kann auch ein anderer Tarif empfehlenswert sein. Weitere Informationen zur Bewertung unter award.versicherung

Kosten für die Demenzversicherung: Lohnt sich ein früher Abschluss?

Fallbeispiel 1

Beginn: 15. Lebensjahr, Auszahlungssumme Demenzversicherung: 600 Euro, Monatsbeitrag: 15,80 Euro

Wird eine Demenzversicherung bereits mit dem 15. Lebensjahr abgeschlossen und die Demenz tritt mit 85 Jahren ein, so hat die versicherte Person bis zum 85. Lebensjahr 13272 Euro einbezahlt. Das Tagegeld müsste für 23 Monate bezogen werden, damit sich das rechnet. Würde man stattdessen diesen Betrag in einen Investmentsparplan investieren, so stünden nach 70 Jahren bei einer Wertentwicklung von sechs Prozent p. a. vor Kosten und Steuern etwa 189431 Euro zur Verfügung. Nachteil: Ein Sparplan ist in der Regel nur mit höheren Beiträgen möglich, und sollte das Kind zwischenzeitlich erkranken, besteht eventuell keine Chance mehr, eine Absicherung zu erhalten. Mehr unter t1p.de/Demenzvorsorge.

Fallbeispiel 2

45. Lebensjahr, 600 Euro Demenzversicherung, Monatsbeitrag: 28,92 Euro

Wird eine Demenzversicherung mit dem 45. Lebensjahr abgeschlossen und die Demenz tritt mit 85 Jahren ein, hat die versicherte Person bis zum 85. Lebensjahr 13881Euro einbezahlt. Auch hier rechnet sich die Investition nach 23 Monaten. Würde man stattdessen diesen Betrag in einen Investmentsparplan investieren, so stünden nach 40 Jahren bei einer Wertentwicklung von sechs Prozent p. a. vor Kosten und Steuern rund 55438 Euro zur Verfügung. Eine Absicherung könnte dennoch lohnen, weil aufgrund von Alter und Gesundheitszustand ein Abschluss noch möglich ist.

Fallbeispiel 3

55. Lebensjahr, 600 Euro Demenzversicherung, Monatsbeitrag: 38,82 Euro

Wird eine Demenzversicherung mit dem 55. Lebensjahr abgeschlossen und die Demenz tritt mit 85 Jahren ein, so hat die versicherte Person bis dahin 13975 Euro einbezahlt. Bei Einzahlung in einen Investmentsparplan stünden nach 30 Jahren bei einer angenommenen Wertentwicklung von den üblichen sechs Prozent p. a. vor Kosten und Steuern circa 38014 Euro zur Verfügung. Eine Absicherung sollte ab diesem Alter spätestens erfolgen, da die Chancen, dass man später aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr versicherbar ist, steigen. Auch die Erwartung einer Rendite von sechs Prozent bei verkürzten Restlaufzeiten wird risikoreicher. Deshalb ist ab dem 55. Lebensjahr eine Demenzvorsorge empfehlenswert.