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Tierkrankenversicherung: Schutz für Hund & Katze

Die Behandlung der geliebten Hausgenossen kostet viel Geld. Mit einer speziellen Tierkranken- oder einer OP-Versicherung lässt sich das Risiko abfedern

© Anusha Barwa

Der medizinische Fortschritt verlängert auch das Leben unserer geliebten Vierbeiner. Aber das hat seinen Preis. Mit Arztrechnungen von ein paar Hundert bis zu mehreren Tausend Euro müssen Herrchen und Frauchen immer rechnen. Da werden für die Zahnsteinentfernung mit Narkose 300 Euro fällig, die Gaumensegel-OP kostet 3.000 Euro, eine Magendrehung 1.250 Euro und ein geflickter Kreuzbandriss 1.500 Euro. Geld, das man auf der hohen Kante haben sollte, wenn man sich ein Tier zulegt. ­Alternativ lassen sich die Arztkosten für Hunde und Katzen aber auch über eine Tierkranken- oder eine reine OP-Versicherung sicherstellen.



Das ist gut angelegtes Geld. Denn ­anders als Risikolebens- oder Unfall­versicherungen, die selten oder nie gebraucht werden, zahlen Tierversicherungen regelmäßig für Impfungen, Wurm­kuren, Floh- und Zeckenprophylaxe. Und früher oder später, je nach Rasse, landet jedes Tier auf dem Operationstisch. Denn auch die Vierbeiner erleiden Bandschei­ben­vorfälle, brechen sich die Knochen und haben Zahnprobleme. Je hochgezüchteter das Tier, desto anfälliger ist es. Gänzlich unkalkulierbar sind die Unfälle und ihre Folgen.

Tierversicherungen: Überschaubarer Markt

Gerade weil die Policen regelmäßig in Anspruch genommen werden, ist diese Sparte nicht so ­einfach neben Privathaftpflicht, Hausrat & Co. zu finden, sondern eher ein Fall für Spezialversicherer. Platzhirsch ist die Agila AG, ­geringere Marktanteile halten Helvetia, Barmenia, Allianz und Uelzener. Weil die Leistungen (Kosten für Diagnostik, Klinikaufenthalt, ambulante Nachbehandlung usw.) sich sehr stark voneinander unterscheiden, ist ein Prämienvergleich nicht praktikabel.



Spezialversicherer Agila reguliert im Monat rund 20.000 Tierarztrechnungen, die Hälfte davon wird bereits digital und automatisiert bearbeitet. Nur so lassen sich die Kosten niedrig halten. Die Hunde- und Katzenbesitzer haben ihr Geld binnen 24 Stunden auf ihrem Konto, wenn sie die Rechnung in der Praxis fotografieren und per App an die Versicherung schicken. Auch direkte Zahlungen an Klinik oder Tierarzt sind möglich.

Hunde-Schutz

Wie bei anderen Versicherungssparten auch beträgt die Wartezeit drei Monate, ehe die erste Behandlung bezahlt wird. Damit soll verhindert werden, dass die ­Police für Wuffel oder Mieze erst nach ­einer OP abgeschlossen wird und bei der Versicherung dann schon deren Kosten eingereicht werden. Bei Verkehrsunfällen setzt der Versicherungsschutz sofort ein, und es wird unbegrenzt bezahlt.   

Ob ein Tier versichert wird, hängt von der Beantwortung der Gesundheitsfragen ab. Bei der Agila lautet diese nur: Ist ihr Tier gesund, ja oder nein? Die meisten Hunde sind bei Vertragsabschluss jünger als ein Jahr. Hat das Tier erst einmal einen Vertrag, dann kann der Schutz bis zum Tod erhalten bleiben. »Wir kündigen keinem Tier im Schadensfall«, sagt Agila-Vorstand Patrick Döring, »außer bei Versicherungsbetrug.«



Dabei entwickeln Tierfreunde erstaunliche Fantasie. Wie der Halter, der zwei Hunde hat, aber nur eine Versicherung, die er für beide nutzt. Oder der Besitzer, der eine Wunde bei seinem Hund als Bissverletzung einem anderen Hund in die Schuhe schiebt, ­damit dessen Tierhalterhaftpflicht für die Arztkosten aufkommen muss. Manchmal machen auch Halter und Tierarzt gemeinsame Sache, um den Behandlungsbeginn für die Wartezeit zu mani­pulieren. Im letzten Fall hilft die Schnittstelle der Versicherung zur Arzt­software für eine lückenlose Behandlungschronik, bei der Zuordnung der Police zu einem Hund hilft der geforderte implantierte Chip.

Hunde lassen sich über eine Tierkrankenversicherung inklusive OP-Schutz absichern oder günstiger durch eine OP-Versicherung. Die Prämienhöhe hängt vom Alter des Hundes und seiner Rasse ab. Die Prämie für einen ­Dackel ist günstiger als für eine französische Bulldogge. Hier wird auf der Basis des Erkrankungsrisikos und der erfor­derlichen Operationen im Laufe eines Hundelebens kalkuliert.  

Katzen-Schutz

Bei Katzen wird neben Alter und Rasse weiter unterschieden, ob es sich um einen Stubentiger oder einen Freigänger handelt. Die Gefahr, von einem Auto angefahren zu werden, ist für die Streuner groß und verteuert die Ver­sicherung.

Auch hier gibt es die komplette Krankenversicherung inklusive OP und den reinen OP-Schutz. Der Krankenvollschutz für eine Wohnungskatze kostet 17,90 Euro, für eine frei laufende Katze 24,90 Euro im Monat. Die reine OP-Police kostet 9,90 Euro bzw. 16,90 Euro.

Auch Katzenoperationen können extrem teuer werden: Eingriffe nach Verkehrsunfall mit inneren Verletzungen und Bauchfellentzündung kosten bis zu 5.000 Euro, verschluckte Fremdkörper entfernen bis 2.000 Euro, Gelenkerkrankungen bis 1.000 Euro und Tumorbehandlungen bis 6.000 Euro.



Tipp: Wem der »Vollkasko-Schutz« zu teuer ist, der sollte wenigstens das Ope­rationsrisiko finanziell absichern.